Vision impossible?

Hat da drau├čen eigentlich noch jemand eine Vision? Dann melden Sie sich bitte bei mir! Ausgenommen sind Erscheinungen im religi├Âsen Sinne oder Trugbilder.

Scherz bei Seite: Mir scheint, niemand hat derzeit mehr eine Vision. Weder in der Politik, noch in der Wirtschaft noch einzelne Menschen. Letztere vielleicht noch am ehesten.

Damit wir uns richtig verstehen: mit Vision meine ich ein Bild davon, wie die Welt aussehen sollte, wenn es nach mir geht. Bill Gates hatte bspw. einmal die Vision einer Welt, in der jeder Mensch einen Personalcomputer hat.┬áMeine┬áVision ist die einer Welt, in der alle Lebewesen gedeihen k├Ânnen. Visionen sind in der Regel ├╝berlebensgro├č und nicht daf├╝r ausgelegt, in einem Leben und mit eigenen Mitteln realisiert zu werden. Selbst wenn Bill Gates nahe daran ist… Eine Vision verleiht dem eigenen Handeln Sinn und gibt ihm eine Orientierung. Der Vision┬áfolgen Mission, Strategie und Ziele.

 

Vision – wof├╝r?vision

Meine Beobachtung ist: Frage ich Menschen, darunter auch Gesch├Ąftsf├╝hrerInnen, nach ihrer Vision bzw. der ihrer Organisation, so nennen sie mir ihre Ziele. Marktf├╝hrer sein wollen, eine gute Mutter und Mitarbeiterin sein, eine besonders hohe Qualit├Ąt im eigenen Segment liefern, einen Jahresumsatz von x verbuchen – alles sch├Ân und gut – aber keine Spur von einer Vision. „Wof├╝r?“ m├Âchte ich da fragen, „wof├╝r wollen Sie Marktf├╝hrer sein??“, „wof├╝r eine gute Mutter und Mitarbeiterin sein?“. Wenn ich die „wof├╝r?-Frage“ stelle, privat oder im Rahmen eines Auftrags, stockt das Gespr├Ąch.

Nun kann man sich nat├╝rlich fragen, ob dies denn so schlimm ist. Wenn ein Gro├čteil der Menschheit ohne Vision auskommt und selbst der gesch├Ątzte Helmut Schmidt fabuliert, wer eine solche habe, solle zum Arzt gehen, wof├╝r sollte mich das Thema dann ├╝berhaupt besch├Ąftigen?

Ich meine, daf├╝r gibt es gute Gr├╝nde. Um nur zwei zu nennen:

Eine Vision stiftet Sinn und motiviert. Und damit Wohlbefinden und Gesundheit. Wenn ich wei├č, wof├╝r ich morgens aufstehe, arbeite, manches Bed├╝rfnis vertage, dann tue ich das gerne, wenn ich einen Sinn darin sehe. Sinn ist somit auch eine wunderbare Burnout Prophylaxe.

Eine Vision gibt Orientierung. Hunderte von Entscheidungen m├╝ssen Menschen t├Ąglich f├Ąllen. Darunter auch schwer wiegende und die eigene Zukunft beeinflussende. Habe ich einen inneren Kompass, dann f├Ąllt es mir an vielen Weggabelungen leichter, den stimmigeren Weg zu identifizieren.

Fehlt hingegen eine Vision, zeigt sich dies im Unternehmen oft anhand folgender Symptome:

  • hoher Krankenstand/Ersch├Âpfung
  • hohe Fluktuation
  • wenig motivierte unzufriedene Mitarbeiter
  • hoher Grad an Aktionismus ohne den gew├╝nschten Output
  • sinkende Kreativit├Ąt in punkto Produktentwicklung
  • Verschleppen von Entscheidungen
  • u.a.

Vision impossible?

So stellt sich mir die Frage, woher es rührt, dass so wenige Menschen und Organisationen sich auf den Weg machen, ihre Vision zu identifizieren.

Trauen sich Menschen nicht, eine Vision zu haben, weil sie f├╝rchten, sich und ihre Handlungen daran messen zu m├╝ssen?

Kennen sie ihre Werte nicht? Denn die braucht es, um die Vision zu finden.

Wird der Weg, die eigene Vision zu finden, als zu m├╝hsam erachtet? Oder gilt es gar als Luxus, sich eine Vision zu leisten?

Vielleicht ist es auch so, dass Ziele, deren motivierende Wirkung belegt wurde, als „Vision light“ gerade so popul├Ąr sind, dass sich niemand um eine gro├če Vision k├╝mmern mag?

Oder liegt alledem die Furcht zugrunde, dass man, w├╝rde man die eigene Vision finden, wom├Âglich einiges im eigenen Leben ├Ąndern m├╝sste? Dass man sich als Unternehmen von ein paar Produkten trennen m├╝sste? Dass man als PolitikerIn eine geradlinige Haltung an den Tag legen m├╝sste, um der eigenen Vision bzw. derer der eigenen Partei treu zu bleiben? Dass man als Angestellte/r das Bet├Ątigungsfeld┬áwechseln m├╝sste?

Ich habe keine Antwort auf diese Frage,┬ádenke jedoch, vieles h├Ąngt damit zusammen, dass Menschen in Zeiten stetigen Wandels h├Ąufig┬árecht┬ákurzfristig denken. Langfristige Konsequenzen von Handlungen lassen sich oft nur erahnen. Somit sind kurzfristige, konkrete Ziele greifbarer und zeitgem├Ą├čer.

Der Vision auf den Grund gehen

Allesamt nachvollziehbare Gr├╝nde. Und dennoch: Statt auf den┬áneuesten Management Hype zu setzen oder sich mit Nahrungserg├Ąnzungsmitteln gegen die Antriebslosigkeit zu wehren, kann es zielf├╝hrender und nachhaltiger sein, sich mit der eigenen Vision zu besch├Ąftigen.

Wagen Sie es! Finden Sie heraus, was Sie in Ihrem Innersten antreibt, was f├╝r Sie wirklich Sinn macht. Damit erledigt sich eine Vielzahl an Zeit- und Energiefressern und gleichzeitig mobilisiert eine Vision ungeahnte Energien.

Als Einzelperson kann man im Rahmen eines Coachings der eigenen Vision auf den Grund gehen.

Im Organisationskontext empfiehlt sich in einem ersten Schritt eine Kl├Ąrung der Vision der Gesch├Ąftsleitung und eine anschlie├čende Visionsarbeit mit dem F├╝hrungsteam.

Dabei unterst├╝tzen wir von mentalenz Sie gerne als Coaches und Teamentwickler.

Einen ersten Schritt k├Ânnen Sie bereits heute tun: Sprechen Sie mit anderen dar├╝ber, wie die Welt aussehen soll, in der Sie leben m├Âchten!

 

Autorin: Corinna L├╝tsch

Corinna L├╝tsch ist gesch├Ąftsf├╝hrende Gesellschafterin der mentalenz GbR sowie Lehrkraft f├╝r besondere Aufgaben an der FH Kiel. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Teamentwicklung, Business Coaching sowie Selbst- und Zeitmanagement.

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