Sei gut zu Dir!

„Sei gut zu dir“ – das gibt man lieben Freunden oder den eigenen Kindern gerne mit auf den Weg.

Dabei setzt man schnell voraus, dass das Gegenüber weiß, wie das geht, gut zu sich sein. 

Höre ich mich in meinem Freundeskreis um, was man mit „gut zu sich sein“ verbindet, erfahre ich vom Wannenbad bei Kerzenlicht, einem Spaziergang wahlweise alleine oder mit Partner, dem Hören von Musik ebenso wie „sich mal wieder was gönnen“, sei es ein Shoppingnachmittag oder ein Burger mit Feierabendbier.  „Die Dinge mal ruhiger angehen“ findet auch Erwähnung.

Wer seine Kraftquellen nutzt, kann diese in der Tat einsetzen, um Energie zu tanken. Dabei gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, gut zu sich zu sein, die nichts mit Konsum zu tun haben, die kostenfrei sind und ganz nebenbei nicht einmal besonders zeitintensiv.

Meine Favoriten:

gut zu sich sein - eis essen

 

Liebevolle innere Dialoge

„Selbstverbalisation“ nennt die Psychologie innere Monologe zur Selbstbeeinflussung. Die meisten Menschen führen derartige innere Selbstgespräche, meist unbewusst. So wie wir uns vielleicht innerlich tadeln oder antreiben („schon wieder falsch“, „mach schneller!“), haben wir auch die Möglichkeit, uns selbst zu loben („super!“, „das läuft ja wie geschmiert!““). Finden Sie ihre eigenen Worte, mit denen Sie sich Anerkennung zollen können, wenn dies gerade sonst niemand tut, oder mit denen Sie sich beruhigen können, wenn Sie in einer schwierigen Situation stecken.

Ihnen fällt nichts Nettes oder Positives ein? Manchmal hilft es dabei, sich an Personen zu orientieren, von denen wir wissen, dass sie uns nur Gutes wollen/wollten. Was würden die in dieser Situation sagen? Ich denke in solchen Fällen gerne an meine milde und wohlwollende (vor vielen Jahren verstorbene) Großmutter. Die hat immer ein paar aufbauende Worte für mich parat, die ich mir gerne borge.

Sich nicht beurteilen

„Du bist…“, das sind Worte, die fast alle Menschen, vor allem in ihrer Kindheit, immer wieder zu hören bekommen. „Du bist zu langsam“, „Du bist faul“ oder auch „Du bist besser, als Nachbars Tochter“. „Du bist“-Aussagen gehen bis ins Mark und oft übernehmen wir sie als Antreiber oder als Entschuldigung. „Ich war noch nie die Schnellste“, denn irgendwie glauben wir, was unsere wichtigsten Bezugspersonen sagen

Meine liebste systemische Grundannahme lautet: „Menschen sind nicht, sondern sie verhalten sich.“

So kann ich mir einen wunderbar faulen Nachmittag machen, ohne gleich faul zu sein. Denn mein Verhalten kann ich ja bei Bedarf ändern.

Innere Fehlerkultur

Dürfen Sie Fehler machen? Wie gehen Sie mit sich um, wenn Sie sich bei einem Fehler ertappen?

Wichtig ist hier: Tragen Sie sich nichts nach. Das kostet Energie und bringt Sie nicht weiter. Reflektieren Sie stattdessen bewusst Ihr Verhalten, lernen Sie aus Ihrem Fehler und überlegen Sie, was Sie beim nächsten Mal anders machen werden. Beschließen Sie dies und lassen Sie dann das Gefühl, das der Fehler Ihnen verursacht los. Ohne innere Missgunst, denn der sogenannte Fehler hat es Ihnen erlaubt, aus Erfahrungen zu lernen.

Sich ernst nehmen

Dazu gehört in erster Linie, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und für sie Partei zu ergreifen. Für das Erkennen der eigenen Bedürfnisse ist oft ein wenig Ruhe hilfreich, eine Atmosphäre in der niemand um unsere Aufmerksamkeit buhlt, weder die Frau/der Mann, die Tochter noch die Werbung im Schaufenster/Radio/Internet. Ist das Bedürfnis klar, gilt es mitunter, dafür Partei zu ergreifen statt darauf zu hoffen, dass uns andere unser Bedürfnis erfüllen. Partei zu ergreifen für den Abend auf dem Sofa trotz des vollen Terminkalenders oder für den kurzfristigen Konzertbesuch trotz eigener Bequemlichkeit. 

Auch „Nein!“ sagen gehört dazu.

Nichts tun

Manchmal kann „gut zu sich sein“ auch heißen, einmal ganz alleine gar nichts zu tun. Bereits 10 Minuten nichts tun machen oft den Kopf schon wieder frei, so dass das Wesentliche sich wieder zeigen kann. Nichts tun heißt, wirklich nichts, keine Hintergrundmusik, kein Lesen im Handy, nur den Umgebungsgeräuschen lauschen und atmen.

Sich im Spiegel ein Lächeln schenken

Ein ehrliches Lächeln hat immer eine Wirkung. Statt morgens im Spiegel nach Hautunreinheiten oder neuen Falten zu suchen: Schenken Sie sich ein Lächeln. Schauen Sie sich in die Augen und nehmen Sie ihr Lächeln an. Es geht nicht darum, ob Sie gut aussehen, sondern nur darum, sich selbst wahrzunehmen und wohlwollend anzuerkennen.

Probieren Sie aus, welcher Weg zu Ihnen passt. Womöglich haben Sie bereits weitere Möglichkeiten gefunden, gut zu sich zu sein.

Autorin: Corinna Lütsch

www.mentalenz.de

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